«Die richtige Ladeinfrastruktur ist entscheidend»

Interview mit Fadri Haller im “FOKUS MOBILITÄT” über die Alltagstauglichkeit von Elektroautos und deren Ladelösungen.

 

Elektrofahrzeuge liegen im Trend, denn sie bieten die Möglichkeit,
umweltschonend zu fahren. Aber die Anforderungen an die Ladestationen
sind vielfältig. Zwar sind in jedem Haus Steckdosen vorhanden, aber nicht
jede eignet sich, um die Batterien der Elektrofahrzeuge aufzuladen.
Welche Lösungen gibt es? Fadri Haller, Leiter Systemtechnik der Ferratec AG,
weiss Rat.

 

 

Herr Haller, wann ist ein E-Auto alltagstauglich?
Die Alltagstauglichkeit eines E-Autos hängt sehr von den individuellen Bedürfnissen des Fahrers ab. Ein Elektrofahrzeug ist zum Beispiel zum Pendeln und Einkaufen schon heute eine gute und interessante Alternative zu einem Auto mit Benzinmotor. Für Vielfahrer, Familien und Firmenfahrzeuge, gibt es zurzeit allerdings in der mittleren Preisklasse nur wenig Auswahl an Fahrzeugen. Dies wird sich in den kommenden Monaten ändern.

Wer Benzin tanken will, fährt an die nächste Tankstelle, die es überall in grosser Anzahl gibt. Wie sieht es mit der öffentlichen Ladeinfrastruktur für Elektrofahrzeuge aus?
Im Gegensatz zu klassischen Autos mit Verbrennungsmotoren werden E-Autos selten an öffentlichen Tankstellen aufgeladen…

… sondern viel häufiger an Ladestationen zu Hause oder am Arbeitsplatz?
Richtig. Da ich also jeden Morgen mit einem «vollen Tank», sprich frisch geladener Batterien, losfahren kann, stellt sich für mich beim alltäglichen Einsatz die Frage nach der Ladeinfrastruktur überhaupt nicht. Wird das E-Auto einmal für eine längere Strecke gebraucht, zum Beispiel in den Sommerferien, gibt es sowohl in der Schweiz als auch im Ausland entlang der Hauptverkehrsachsen heute schon genügend Schnell-Ladestationen.

Wie lange dauert ein Ladevorgang, bis ein E-Auto wieder fahrbereit ist?
Zu Hause ist ein E-Auto in vier bis acht Stunden wieder voll aufgeladen, der normale Tagesbedarf in weniger als einer Stunde. Diese Zeiten spielen in der heimatlichen Garage keine Rolle, denn das E-Auto steckt dort im Normalfall von 18 Uhr abends bis 7 Uhr morgens an der Ladestation. Wenn ich unterwegs an einer Schnellladestation lade, sind die Ladeleistungen bedeutend höher. Als Faustregel gilt: Ungefähr acht bis zehn Minuten Ladezeit für 100 Kilometer.

Als Hausbesitzer möchte ich für meine Mieter, die Elektrofahrzeuge benutzen, eine Ladeinfrastruktur in der Garage einrichten. Was gilt es zu beachten?
In vielen Liegenschaften ist der Hausanschluss und damit die vorhandene Energie schon mit drei bis fünf Elektrofahrzeugen überschritten. Ich empfehle Hausbesitzern ab der ersten Ladestation sogenannte vernetzbare Ladelösungen einzusetzen, nur so besteht die Gewähr, mit Lastmanagementsystemen die vorhandene Energie sicher und effizient zu bewältigen.

Mit welchen Kosten für eine Umrüstung muss ich bei einem Mehrfamilienhaus rechnen?
Je nach Örtlichkeit und Installationsaufwand variieren die Kosten stark. Als Faustregel gilt 4000 bis 5000 Franken für die erste Ladestation, für jede weitere 2500 bis 3500 Franken. Ich rate davon ab, nur eine Ladestation zu planen und nicht eine Gesamtlösung im Auge zu behalten. Denn bei einem künftigen Ausbau wird sich ein solcher Entscheid bestimmt mit viel höheren Kosten rächen.

Wie verrechne ich die Kosten den Mietern?
Mit dem mobilecharge.ch-Abrechnungssystem der Ferratec AG hat der Vermieter/Immobilienbesitzer nichts zu tun. Die Energie wird nach dem Verursacherprinzip abgerechnet. Der Hausbesitzer hat die Möglichkeit, mit einem Zusatztarif die Investition über die Abrechnung zu amortisieren.

Wie sieht es für Hotels und Gastrobetriebe aus, die ihren Gästen eine Lademöglichkeit anbieten wollen?
Die Anforderungen an die Installation und Hardware sind die gleichen wie für private Hausbesitzer. Die Abrechnung erfolgt über die mobilcharge.ch-Abrechnungsplattform. Der Besucher kann bequem an der Station per SMS, Twint oder Kreditkarte bezahlen.

Ich habe mich entschieden, eine Ladestation einzurichten. Worauf muss ich bei der Montage beachten?
Da die Ladeleistungen bei E-Autos sehr hoch sind, sind normale Steckdosen dazu nicht geeignet. Es empfiehlt sich auf jeden Fall, einen Elektroinstallateur zu kontaktieren, der die Gegebenheiten vor Ort abklärt. Dieser nimmt auch eine Sicherheitsprüfung vor und sorgt für eine Meldung an den lokalen Energieversorger. Die Ferratec AG verfügt über ein schweizweites Netzwerk an geschulten E-Mobility-Partnern, die bei der Evaluierung der korrekten Ladestation helfen.

Die Elektromobilität hat die grosse Käuferschaft noch nicht erreicht. Wo sehen Sie die Entwicklung in den nächsten Jahren?
Die Elektromobilität erlebt zurzeit einen regelrechten Hype, der in den nächsten Jahren anhalten wird. Langfristig glaube ich allerdings nicht, dass die Elektromobilität die einzige Lösung für unsere zukünftige Mobilität ist, vielmehr wird es ein Mix zwischen Elektromobilität und anderen Technologien wie beispielsweise Wasserstoff sein, die zusammen einen Grossteil unserer Mobilität prägen werden.

Text: Werner Schüepp

Mehr Informationen über E-Mobility Ladelösungen finden Sie hier.

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